Gozo / Malta 2011



Schon seit über zehn Jahren schwärmte mir Heiko von Malta vor. Das waren immer die Urlaube, aus denen er braungebrannt zurückkam - braun ab dem Hals aufwärts. Es musste also etwas an, oder besser Unterwasser vor dieser Insel sein, was ihn stets vom ausgiebigen Sonnenbaden abgehalten hatte. Nun, mehr als zehn Jahre nachdem ich begeistert mit dem Tauchen angefangen habe, konnte ich endlich mit einer bunt gemischten Gruppe aus Blubb-Clubbern und befreundeten Tauchern dieses tolle Tauchgebiet kennenlernen.


Nachdem einige kleinere Reiseabenteuer am Flughafen (warum werden immer die gleichen Leute beim Security-Check gefilzt?), die nächtliche Fahrt über Malta, eine leicht schaukelige aber schöne Überfahrt nach Gozo und der Bezug der landestypischen aber extrem günstigen Appartements geschafft waren, konnten wir am nächsten Morgen bereits die Tauchbasis besuchen und unsere Transportmittel - die allseits bekannten Jeeps in Empfang nehmen.


Man hat dabei schon den Eindruck, dass man es auf der sonnenverwöhnten Mittelmeerinsel mit einem Eiland der Gegensätze zu tun hat: auf der einen Seite alte aber liebevoll behandelte Autos, meist pistenähnliche Straßen, offenliegende Verkabelung oder Fremdwörter wie "Supermarkt". Auf der anderen Seite problemloses Bezahlen mit dem Euro, selbstverständlich erscheinende Mobilfunk-Abdeckung (oft natürlich UMTS) oder Internet-Cafes. Laut Heiko sind die Einwohner beim Autofahren übrigens gegenüber Touristen betont defensiv, da sie ihr wertvolles eigenes Auto nicht riskieren wollen, wenn wir motivierten Tauch-Jeep-Fahrer mit atemberaubender Geschwindigkeit über die Insel rasen.


Doch nun zum Tauchen. Nicht nur der überzeugte Mittelmeer-Taucher, der vielleicht schon das türkisblaue Wasser der Costa Smeralda und die an Fisch sowie Gorgonien reichen Felsen von Naturparks wie Lavezzi oder den Medas-Inseln kennt, bekommt hier auf Malta/Gozo ein weiteres absolutes Highlight geboten: irre Sichtweiten, unglaubliche Felsformationen und spektakluläre Szenarien. Da die Reiseberichte der vorherigen beiden Jahre 2008 und 2009 schon sehr schön Highlight-Tauchplätze beschreiben, hier nur einige besondere Tauch-Eindrücke dieser Reise.


Sicht und Welle wurden während der Woche unseres Aufenthalts, beginnend bei "etwas trübe und windbewegt", unaufhaltsam besser. So konzentrierten wir uns in den ersten Tagen auf die geschützen Buchen, die Wracks vor Xatt-l-Ahmar im Süden und unser Hausriff in der Xlendi-Bay samt Höhle. Obwohl ich eigentlich gar keine Wracks mag, war ein dämmriger Tauchgang zur Karwela eines der absoluten Highlights dieses Urlaubs - schöne Atmosphäre, Röhrenwürmer an den Aufbauten und kleine Fischschwärme im Licht der Lampen.


Wer nach einem sonnigen Tauchtag und dem leckeren Essen an der Ufermauer von Xlendi-Bay (lieber maltesisch, chinesisch oder italienisch?) noch Entdeckungslust hatte, konnte mit auf eine nächtliche Erkundung möglicher Tauchplätze für den nächsten Morgen kommen. So konnten wir dann in der Nacht des zweiten Tages erleichtert vermelden: morgen kann es an die Westküste gehen! Gut so, denn den "UW-Flug" durch den Tunnel von Inland-Sea, die Durchtauchung des Azur-Windows und den als Einbahnstrasse gedachten Chimney wird man wohl so leicht nicht mehr vergessen. Spektakuläre Steilwände, n+1 Zackis und eine riesige Cathedral Cave runden die Sache ab. Für das nächste Mal habe ich mir übrigens die Erkundung des Fungus Rocks vorgenommen...


Nach dieser "Vorspeise" und bei immer besser werdendem Wetter war dann an den letzten Tagen die Nordküste mit den Tauchplätzen Reqqa Point und Double Arch Reef dran. Hier wie auch bei den Wracks im Süden hatten wir diesmal das Glück der Tüchtigen, auch trotz leichter Strömung alle Sehenswürdigkeiten gefunden zu haben. Eine kleine Annekdote zum Norden: hatten wir am Vortrag noch unsere liebe Mühe, bei Reqqa Point alle Taucher per Seil wieder aus dem Wasser zu bekommen, so war dort am nächsten (!) Tag ein Metallgeländer zum bequemen Ausstieg montiert. Malta eben. Absoluter Höhepunkt des Nordens war aber ein Besuch der Billingshurst Cave, bei dem mir der schummrige Ausblick aus der Kaverne hinaus in 1000 abgestufte Blautöne des Mittelmeers unvergesslich bleiben wird.


Den Tag vor der Abfahrt verbrachten wir dann klassisch-touristisch mit einem Besuch der Hauptstadt Victoria und der dort gelegenen Zitadelle. Ein Muß war dabei natürlich die Benutzung der gozoianischen Linienbusse. Schon der Rundblick über die kleine Insel fasziniert mit beeindruckenden Kirchen und Kathedralen in fast jedem noch so kleinen Dorf. Leider war der Urlaub dann auch schon zu Ende - die Rückfahrt verlief reibungslos und war von Heiko so gut organisiert wie der Rest des Urlaubs - vielen Dank dafür... und an den Blubb-Club für's mitnehmen!